Vom 14. bis 21. November fand die diesjährige International Olympiad on Astronomy and Astrophysics aufgrund der noch immer unübersichtlichen Pandemielage als Online-Wettbewerb statt. Organisiert wurde das Ganze von Kolumbien, wo die IOAA 2020 bzw. später dann die IOAA 2021 ursprünglich vor Ort stattfinden sollte.

Insgesamt 48 Länder nahmen am diesjährigen Wettbewerb teil und stellten sich der Herausforderung der Organisation des Online-Formates. Auch ein deutsches Team war dabei, bestehend aus Lasse Blum (Internatsschule Schloss Hansenberg), Sebastian Holzner (Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium Rosenheim), Jonas Spiller (Humboldtschule Bad Homburg), Paul Sprenger (Theodor-Fontane-Gymnasium Strausberg) und Christian Vogel (Max-Planck-Gymnasium Groß-Umstadt). Die fünf hatten sich in einem dreistufigen Auswahlwettbewerb ein (virtuelles) Ticket für die Olympiade gesichert. Zur Vorbereitung auf die internationale Runde wurde im September ein einwöchiges Trainingslager am Max-Planck-Institut für Astrophysik in München abgehalten, bei welchem in Seminaren Inhalte des Syllabus (u.a. Himmelsmechanik, Sternphysik und Kosmologie) und typische Aufgaben des Wettbewerbs besprochen, sowie das Arbeiten unter Klausurbedingungen geprobt wurde. Daneben stand auch ein Besuch des Supernova Planetariums auf dem Campus in München auf dem Programm. Betreut wurde das Team dabei von Ivan Kokhanovskyi, Jonathan Gräfe, Lukas Schicht, Max Schneider und Erik Sünderhauf, allesamt ehemalige Teilnehmer und Organisatoren des Auswahlwettbewerbs.

Am 14. November begann dann das eigentliche Event, zu welchem sich das deutsche Team wiederum am Max-Planck-Institut für Astrophysik in München versammelte, mit einer virtuellen Opening Ceremoy. In den folgenden fünf Tagen wurden insgesamt vier verschiedene Klausuren geschrieben, sowie eine Team Competition durchgeführt. Gestartet wurde mit der Data-Analysis-Klausur, bei der es um die Auswertung von gegebenen astronomischen Daten geht. Es folgte eine Klausur zur Sonnenbeobachtung, dann die Theorie-Klausur und zum Abschluss noch eine virtuelle Planetariumsrunde (Nachtbeobachtung). Insbesondere die Theorieklausur beinhaltetet einige sehr anspruchsvolle Aufgaben und war von der zur Verfügung gestellten Bearbeitungszeit eher knapp bemessen. Für die einzelnen Klausuren wurden die zu bearbeitenden Aufgaben für jedes der Teammitglieder unmittelbar vor Klausurbeginn ausgedruckt und ihnen dann zur Bearbeitung ausgeteilt. Die Lösungen wurden im Anschluss wieder eingescannt und auf die Wettbewerbsplattform hochgeladen, wo sie von einem Korrektoren-Team aus Kolumbien sowie den Team-Leadern bewertet werden konnten. Während der gesamten Wettbewerbszeit wurde jeder Schüler per Videokamera überwacht. Als Betreuer vor Ort waren Erik Sünderhauf und Christoph Eberle mit der Durchführung des Wettbewerbs betraut. Trotz einiger technischer Schwierigkeiten und Probleme vonseiten der IOAA-Organisatoren konnte so ein einigermaßen reibungsloser Klausur-Ablauf sichergestellt werden. Um nur ein Beispiel für unvorhergesehene Schwierigkeiten bei der Durchführung einer Online-Klausur zu nennen, sei hier die Sonnenbeobachtungsklausur erwähnt. Für die gestellte Aufgabe sollten die Schüler mit dem Programm JHelioviewer Bilder des Solar Dynamics Observatory auswerten. Der entsprechende Server, auf dem die Bilder sonst für jeden Astrofan zugänglich sind, war aber anscheinend nicht auf den gleichzeitigen Andrang der knapp 300 Teilnehmenden vorbereitet und stufte den zeitgleichen Zugriff kurzerhand als DDOS-Attacke ein, worauf der Server eine Weile gar nicht mehr erreichbar blieb. Mit ein wenig Verzögerung konnte aber auch dieses Problem schließlich behoben werden.

Des Weiteren wurde das Team von zwei Teamleadern – Ivan Kokhanovskyi und Jonathan Gräfe – begleitet. Die Teamleader sind für die Diskussion der Klausuraufgaben bei den International Board Meetings sowie die Übersetzung der Aufgaben in die jeweilige Landessprache verantwortlich. Nach der Klausur haben sie die Möglichkeit, die Lösungen der Schüler sowie die Bewertung der Korrektoren einzusehen und bei den Moderations mit den Korrektoren um Punkte für ihr Team zu feilschen. In diesem Jahr war der Andrang bei den Moderations jedoch so groß, dass die ursprünglich angedachten Zoom-Zeitslots keinesfalls ausreichten und auch hier das System mehr oder weniger zusammenbrach. Also mussten alle Vorschläge zur Neubewertung in eine sehr lange Tabelle eingetragen und den Organisatoren geschickt werden. Die Auswertung aller Anfragen war so umfangreich, dass nicht nur die Closing Ceremony am 21. November um etwa zwei Stunden verschoben werden musste, sondern die finalen Platzierung und Medaillenränge erst etwa zwei Wochen später offiziell verschickt wurden, weil immer noch Bewertungen und Änderungen der Punktzahlen ausstanden. Nichtsdestotrotz hatte am Ende alles seine Ordnung. Das deutsche Team konnte sich nach all den durchgestandenen Strapazen und Anstrengungen der Klausuren mit drei Medaillen und zwei Anerkennungen belohnen. Jeweils eine Bronzemedaille ging an Lasse Blum, Jonas Spiller und Paul Sprenger. Christian Vogel und Sebastian Holzner erhielten eine Honourable Mention. Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!

Ein großes Dankeschön gebührt zunächst dem Schülerteam und allen Betreuern, die die Durchführung dieses Wettbewerbs ermöglicht haben. Außerdem gebührt dem MPA München Dank für das zur Verfügung stellen der Klausur- und Seminarräume, sowie Zeiss für die finanzielle Unterstützung des Wettbewerbs.